Controlling 4.0

Controlling Aufgaben im Zeitalter von Industrie 4.0

Die Digitalisierung unserer Arbeitswelt – kurz Industrie 4.0 - nimmt schier unaufhaltsam ihren Lauf (mehr Informationen zu Industrie 4.0 ).</i> Vor allem im produzierenden Bereich ist eine fortschreitende Vernetzung zwischen Menschen, Objekten und Systemen beobachtbar. Diese Entwicklung hat nicht nur wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen zur Folge, sondern beeinflusst auch erheblich das betriebswirtschaftliche Controlling.

Die Auswirkungen der Digitalisierung oder Smartisierung der Industrie auf die Controlling Aufgaben

Zu den wesentlichen technologischen sowie nicht-technologischen Herausforderungen für das Controlling hinsichtlich der Umsetzung von Industrie 4.0 zählen:

  • die Nutzenquantifizierung von Industrie 4.0 Vorhaben,
  • der Umgang mit neuen Analyse-Tools/-Methoden,
  • die Datenselektion und
  • die funktions-/bereichsübergreifende Integration von Planungs- und Steuerungsprozessen.

Nutzenquantifizierung von Investitionen in Industrie 4.0 Technologien

Noch bevor Industrie 4.0 im Unternehmen implementiert wird, ist der Controller*) als Business Partner des Managements gefordert, den Nutzen einer möglichen Investition in Industrie 4.0 Technologien in quantitativen Messgrößen darzustellen. Verständlich aufgrund der hohen Investitionskosten für neue Maschinen oder Aus- und Weiterbildung des Personals. Die Controllerin ist somit aktiv in die Mitgestaltung eingebunden und muss sich dementsprechend mit den unternehmerischen Produktions- und Geschäftsprozessen auseinandersetzen. Digitale Geschäftsmodelle müssen vom Controller bewertet werden. Sie sind jedoch eine Herausforderung, weil sie sich in ihrer Kostenstruktur stark von den traditionellen Modellen unterscheiden. Anstelle einer kostenbasierten Kalkulation muss der Mehrwert der digitalen Produkte und Dienstleistungen für den Kunden ermittelt werden. Das Abschätzen des Entwicklungsaufwandes (Intensität, Dauer) und der Skalierbarkeit eines digitalen Geschäftsmodells steht über den Herstellkosten und dem erzielbaren Marktpreis.

Umgang mit neuen Analyse-Tools/-Methoden und Datenselektion

Aufgrund der stark steigenden Datenmenge, Datenvielfalt und Geschwindigkeit, mit der neue Daten entstehen sowie verfügbar und damit analysierbar sind, müssen Controllerinnen damit rechnen, dass das Management aktuellere Informationen in kürzeren Zyklen und zeitnäheren Berichten benötigt. Dabei liegt die große Herausforderung darin, die wichtigen und relevanten Informationen aus der Datenflut zu generieren und in verständliche Berichte zu verpacken. Davor müssen aber die Controlling Prozesse neu abgestimmt und standardisiert werden. Mithilfe vorgeschalteter Datenanalyse und Dateninterpretation sowie der Nutzung von speziellen Datenbanktechnologien (Data-Warehouse mit OLAP-Würfel, In-memory-Datenbanken, etc.) soll eine Datenüberflutung des Managements vermieden werden. Spätestens jetzt kann man schon erkennen, dass sich der Controller in Zukunft auch mit Informationstechnologien hinsichtlich Big Data befassen muss.

Funktions-/Bereichsübergreifende Integration von Planungs- und Steuerungsprozessen

In einer Smart Factory wird die Produktion in Echtzeit abgebildet. Es wird sozusagen ein Abbild der Realität in der Informationswelt geschaffen. Die Transparenz, Flexibilisierung und Dynamik von Unternehmensprozessen sowie die intelligente Vernetzung der Unternehmen steigen an. Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass sich strategische und operative Planungen, Forecasts, Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnungen, Budgetierung, Reporting, Risikomanagement, etc. grundlegend ändern werden.

Hinsichtlich der strategischen Planung muss beispielsweise die eher statische Balanced Scorecard dynamischer konzeptioniert werden. Zum Beispiel mit einem Dynamic Scorecard Modell, welches Ursache-Wirkungs-Beziehungen noch exakter und zeitnaher analysiert und benutzergerecht darstellt. Forecasts beruhen nicht mehr länger auf Vergangenheitsdaten, sondern vielmehr auf mathematisch-sozioökonomischen Modellen, die Echtzeit-Forecasts ermöglichen sollen. Die Implementierung von digitalen Industrie 4.0 Geschäftsmodellen verändert unweigerlich den Wertschöpfungsprozess des Unternehmens. Dies hat zur Folge, dass sich die Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung verändern werden, indem beispielweise Fixkostenanteile verschoben werden. Die Planung in Geschäftsjahren wird früher oder später von dynamisch angelegten Planungshorizonten abgelöst werden, das Reporting wird durch den zunehmenden Einsatz von mobilen Endgeräten, zukunftsgerichteten Berichten und Szenarien-Analysen geprägt sein.

Fazit: Das altbekannte Rollenbild der Controllerin als Erbsenzählerin ist schon seit vielen Jahren nicht mehr gültig. In der heutigen Zeit wird der Controller neben der Rolle des Analysten und Informationslieferanten auch als Business Partner bzw. Berater von Führungskräften gesehen. Damit die moderne Controllerin als Partnerin auf Augenhöhe fungieren kann, wird sich diese eher früher als später mit Industrie 4.0 Technologien auseinandersetzen müssen.

*)Anmerkung der Redaktion: "Wir haben uns entschieden, weibliche und männliche Formen im Text nach dem Zufallsprinzip zu verwenden und möchten darauf hinweisen, dass wir jeweils das andere Geschlecht mit bedenken."

Autor: Tobias Mayr

Abbildung 1: Controlling 4.0 (Quelle: eigene Darstellung)

Quellennachweis

Internationaler Controller Verein (2015), Industrie 4.0; Controlling im Zeitalter der intelligenten Vernetzung – Dream Car der Ideenwerkstatt im ICV 2015.

Kagermann, H./Wahlster, W./Helbig, J. (2013), Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 – Abschlussbericht des Arbeitskreises Industrie 4.0, Frankfurt/Main.

Bertschek, I., Clement, R., Buhr, D., Hirsch-Kreinsen, H., Falck, O., Heimisch, A., ... & Mazat, A. (2015), Industrie 4.0: Digitale Wirtschaft–Herausforderung und Chance für Unternehmen und Arbeitswelt. Ifo Schnelldienst68(10), 03-18.