Nachbericht XP-Days 2017

Agilität ist in aller Munde, und das nicht erst seit gestern. Auch wir haben bereits in unserem Newsletter einige Beiträge dazu veröffentlicht und uns dabei auf bestimmte Frameworks (Scrum, Kanban), die hauptsächlich in der Softwareentwicklung eingesetzt werden, bezogen. Aber schon an Kanban kann man erkennen, dass sich eine agile Vorgehensweise nicht nur für die Softwareentwicklung eignet. Kanban wurde in seiner ursprünglichen Form bereits 1947 von Taiichi Ohno in der japanischen Toyota Motor Corporation entwickelt, also weit vor der modernen Softwareentwicklung.  

Immer mehr Unternehmen erkennen die Vorteile agiler Vorgehensweisen und wollen diese einführen oder setzen sie bereits ein. Auch immer mehr unserer Kunden haben sich für diesen Weg entschieden. Aus diesem Grund stellt sich bei uns die Frage, wie wir unsere Kunden dabei bestmöglich begleiten und unterstützen können. Um dafür unser Know-How zu erweitern, haben wir unter anderem dieses Jahr die XP-Days in Stuttgart besucht.

Die XP-Days ist eine alljährliche Konferenz, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt. Um den Rahmen dieses Beitrags nicht zu sprengen, möchten wir nur zwei Themen der Konferenz aufgreifen, die sich mit den Voraussetzungen für erfolgreiches agiles Arbeiten beschäftigen.

Das Bienenhirten-Modell

Rolf Dräther, der Übersetzer des Buchs ‚Der Bienenhirte‘, hat aus selbigem vorgetragen. Das Buch von Rini van Solingen ist eine Parabel, in der ein älterer Mann seinem Enkel (IT-Leiter) erzählt, wie er vom Hirten zum Imker umschulen musste. In der Zeit musste er lernen, wie er den Umstieg vom Schafehüten (wo genaue Anweisungen erforderlich sind) auf Bienenzucht schafft, und wie er dafür das richtige Umfeld vorbereitet. Van Solingen veranschaulichte auf eine kurzweilige und amüsante Art, wie sich die unterschiedlichen Führungsstile in der klassischen hierarchischen und in der agilen Vorgehensweise unterscheiden und welche Veränderungen in einem selbst durchlaufen werden müssen. Jedem, der vor der Aufgabe steht, sein Team auf dem Weg zur Agilität zu begleiten, kann dieses Buch nur ans Herz gelegt werden.

Die wichtigsten Punkte des Bienenhirten-Modells sehen wie folgt aus:

  • Jede Veränderung liegt in uns selbst
  • Vertrauen geben durch Loslassen
  • In einem festen Rhythmus Ergebnisse liefern
  • Autonome und selbstorganisierte Teams
  • Kontinuierlich an einer kollektiven Kultur arbeiten
  • Nie den Status quo akzeptieren – es geht immer besser

Psychologische Sicherheit

In dem Projekt ‚Aristoteles‘ belegt Google die Wichtigkeit der psychologischen Sicherheit für Teams und Unternehmen. In einem Workshop von Jasmine Zahno (Agile Psychologist) und Joseph Pelrine (Sozialpsychologe und agiles Urgestein) wurde dies Thema aufgegriffen und vertieft. Die psychologische Sicherheit ist laut der Studie von Google der wichtigste Faktor für gute Zusammenarbeit im Team.

Aber was ist unter psychologischer Sicherheit zu verstehen?

Die beiden wichtigsten Punkte sind Offenheit und Vertrauen. Diese werden erreicht, indem offene Diskussionen gefördert werden. Diskussionen, bei denen alle TeilnehmerInnen das gleiche Mitspracherecht und die gleiche Wertigkeit haben. Ebenso muss jeder die Möglichkeit haben, Fehler zu machen und nach Hilfe zu fragen, ohne ein schlechtes Gefühl dabei zu bekommen. Und zu guter Letzt muss konstruktive Kritik zugelassen werden. Damit ist negative, aber insbesondere auch positive Kritik gemeint.

Fazit

Die beiden beschriebenen Themen sind elementare Punkte, um auf lange Sicht erfolgreich agil arbeiten zu können. Dies soll Sie aber nicht abschrecken, die ersten Schritte in die Agilität zu wagen, indem Sie z.B. schonmal ein agiles Framework (Scrum, Kanban, etc.) einsetzen und parallel Schritt für Schritt an den Voraussetzungen arbeiten.

Denn grundsätzlich kann es nicht funktionieren, wenn das Management oder die Projektleitung den Teams sagt, sie sollen agil vorgehen, aber das selbst nicht vorleben. Der Weg dorthin wird eine Zeit dauern und es wird immer wieder Widerstände und Rückschläge geben. Es muss auch nicht alles von einen auf den anderen Tag verändert werden. Auch wir bei solvistas arbeiten jeden Tag an der weiteren Umsetzung der Voraussetzungen. Und dabei folgen wir immer, wie auch Sie es machen sollten, dem Satz: „Nie den Status quo akzeptieren – es geht immer besser“.

Autor

Dettmer Strutz

Anmerkung: Auf diese beiden Themen, wie auch andere Themen zur Agilität, werden wir in loser Folge mit weiteren Beiträgen noch vertieft eingehen. Zum Blog-Beitrag