5 Tipps um aktives Zuhören für andere sichtbar zu machen

Vor ein paar Monaten machte ich eine Entdeckung: ich bin eine schlechte Zuhörerin. Bewusst wurde mir das, indem mein Kollege mir erklärte, dass ich ihn ausreden lassen und nicht immer unterbrechen solle. Dadurch habe ich ihm den Eindruck vermittelt, dass ich ihm nicht wirklich mit Interesse, also nicht aktiv zuhöre. Doch wer etwas zu sagen hat, muss zuhören können.

Hund, der aktiv zuhört

 

 

 

 

 

Die Eigenschaft aktiv zuzuhören ist sehr wichtig und das Gute daran ist: man kann aktives Zuhören lernen. Aktives Zuhören ist notwendige Voraussetzung für einen verständnisvollen Dialog, denn nur so kann eine Vertrauensebene aufgebaut werden.

Da ich im Bereich Marketing für Content verantwortlich bin, und die dafür notwendigen Informationen bzw. technischen Inhalte meistens nicht zentral gebündelt vorliegen, ist es wichtig, diese „aufzufinden“. Oft sind sie nicht niedergeschrieben, da sie noch ganz neu sind. Und hier setzt der Prozess des aktiven Zuhörens an, um dann einen entsprechenden Text verfassen zu können.

Der Prozess des aktiven Zuhörens

Nach Merriam-Webster ist aktives Zuhören wie folgt definiert: hören, was jemand gesagt hat und wissen, dass das Gesagte nachvollziehbar ist. Der wesentliche Punkt besteht darin, dass das Gesagte auch verstanden wird, das verstärkt die Wichtigkeit der Inhalte.

Der Prozess startet mit der Aufnahme von auditiven Stimuli, die dann von unserem Gehirn interpretiert werden. Die Interpretation wird von unseren anderen Sinnesorganen, wie z. B. der Sehkraft unterstützt, um das Gehörte besser interpretieren zu können. Teilt jemand eine Information mit uns, dann spielt unsere non-verbale Reaktion bei der Interpretation der Stimuli eine Rolle, denn damit zeigen wir, wie aktiv wir zuhören. Im Prozess folgen wir mehreren Schritten (siehe Abbildung): Wahrnehmung, Interpretation, Bewertung und Reaktion.

es wird grafisch der Prozess des aktiven Zuhörens dargestellt

 

 

 

 

 

Bildquelle: Matthew Edward Dyson

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass aktives Zuhören ein weit verbreitetes Netzwerk von Aktivitäten im ganzen Gehirn auslöst. Das ist der Grund warum auditive Stimuli oft sehr stark mit dem Gedächtnis verbunden sind.

Mögliche Fehlerquellen können durch vorzeitigen Abbruch intensiven Zuhörens entstehen. Andererseits durch fehlerhafte Verhaltensweisen, wenn der Zuhörer das jeweilige Ende einer Aussage gar nicht abwartet.

Der gegenseitige Nutzen aktiven Zuhörens

Aktives Zuhören kann nicht nur im Coaching, sondern auch im Content Marketing auf folgenden Ebenen von Nutzen sein:

Auf der interpersonellen Ebene hilft es, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und fördert einen wertschätzenden Umgang.

Auf der semantischen Ebene kann aktives Zuhören bewirken, „dass während des Gesprächsverlaufs auftretende Unklarheiten direkt ausgeräumt werden“ (Bienert & Crisand, 1982, S. 68).

Weitere Gründe für aktives Zuhören:

  • Verminderung von Missverständnissen
  • Förderung der Empathie
  • Verbesserung von Problemlösungen
  • Einfachere Verhaltenskorrektur
  • Lernen durch Feedback

5 Phrasen, anhand derer Sie aktives Zuhören erkennen können

Das Üben dieser Phrasen in Gesprächen ist ein Beginn. Wenn jemand mit Ihnen spricht, behalten Sie diese im Hinterkopf  – wenn Sie merken, dass Ihre Aufmerksamkeit abdriftet, weil zum Beispiel eine SMS auf Ihrem Handy erscheint, dann holen Sie Ihre Gedanken zurück, denken Sie an diese Phrasen und demonstrieren Sie aktives Zuhören.

1. „Meinen Sie….?“

Grund

Oft interpretieren wir etwas auf eine Weise, die vollkommen falsch ist, da die Person es ganz anders meinte. Daher ist es wichtig, die Story vom Anfang bis zu Schluss zu hören, um diese richtig zu verstehen. Durch die Frage „Meinen Sie…?“ kann der korrekte Sachverhalt geklärt werden, also ob der Inhalt korrekt verstanden wurde. Andererseits können dadurch mehr Details in Erfahrung gebracht werden und auch schüchterne Personen ermutigt werden, mehr preiszugeben.

Alternativen:

  • „Ich bin nicht sicher, ob ich es richtig verstanden habe.“
  • „Können Sie mir etwas mehr darüber erzählen?“

2. „Es hört sich an als….?“

Grund

Diese Phrase dient dazu, Ihre Empathie zu demonstrieren. Sagen Sie Ihrem Gegenüber nicht, wie es sich fühlt, sondern vielmehr wie Sie deren Emotionen interpretieren.Wenn zum Beispiel jemand enttäuscht über das Ergebnis eines Projektes ist, das jedoch nicht direkt anspricht, so kann der aktive Zuhörer „zwischen den Zeilen lesen“. Eine mögliche Antwort des Zuörers wäre: „Es hört sich so an, als fühlst du dich ein bisschen geschlagen“. Das laut zu hören, was man selbst nicht ausspricht, hilft einem dabei, das Projekt proaktiv voranzutreiben.

Alternativen:·

  • „Was ich höre ist,….“
  • „Du scheinst….“

 

3. „Wirklich?“

Grund

So demonstriert man Ermutigung während einer Konversation.

Alternativen:

  • “Wann?”
  • „Wie?”

4. „Ich habe bemerkt, dass…?“

Grund

Indem Sie den Erzählenden beobachten, können Sie nicht nur das Gesagte verinnerlichen, sondern auch die nonverbale Kommunikation in die Betrachtung miteinfließen lassen.Dozenten der University of Central Florida zeigen folgendes Beispiel: „Ich habe bemerkt, wenn Sie über Ihre Ergebnisse sprechen, dann lächeln Sie. Daher denke ich, dass Sie mit der eingeschlagenen Richtung einverstanden sind.“ Hier wird jemand nicht nur auf das gesprochene Wort „limitiert“, sondern der Einfluss nonverbalen Verhaltens wird zusätzlich berücksichtigt.

5. „Lassen Sie mich sehen, ob ich alles richtig verstanden habe?“

Grund

Eine weitere Methode des aktiven Zuhörens ist, das Gesagte zu paraphrasieren. Durch eine kurze Zusammenfassung zeigen Sie dem Sprecher, dass er ihre Aufmerksamkeit hat und stellen sicher, das Gehörte richtig verstanden zu haben.

Alternativen:

  • „Das sind die Hauptpunkte, die ich bis jetzt gehört habe?”
  • „Lassen Sie mich sichergehen, dass ich Sie verstanden habe?”
  • „Lassen Sie uns kurz abgleichen, ob wir am selben Stand sind?“

Diese Aufmerksamkeitssignale geben dem Gesprächspartner das Gefühl, dass Sie gedanklich bei ihm und seinem Anliegen sind.

Fazit

Kommunikative Fähigkeiten werden immer wichtiger, sei es bei der Führung einer Verhandlung, bei Präsentationstechniken oder in einem Meeting, wo es um die Erfassung komplexer technischer Inhalte geht, um alle MitarbeiterInnen auf einen Stand zu bringen. Aktives Zuhören ist eine Grundvoraussetzung für eine offene und lösungsorientierte Verständigung und es ist harte Arbeit!